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Die '''Entführung von Hanns Martin Schleyer''', dem Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), am 5. September 1977 durch die linksextremistische, terroristische Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) und seine Ermordung am 18. Oktober 1977 waren die zentralen Ereignisse des sogenannten Deutschen Herbstes. Mit ihr und der Entführung des Flugzeugs ?Landshut? durch eine Gruppe palästinensischer Terroristen der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) sollte die Freilassung inhaftierter Mitglieder der ersten Generation der RAF aus deutschen Gefängnissen erpresst werden. Aufgrund von Erfahrungen aus der Lorenz-Entführung, nach der sich freigepresste Terroristen bald wieder an Attentaten beteiligten, entschied die Bundesregierung unter Helmut Schmidt, nicht auf die Forderungen einzugehen.

Hintergrund

1972 waren die Anführer der sogenannten ein erster Freipressungsversuch der RAF.

Zwei Jahre später sollte mit der sogenannten bereits bekannt, konnten aber erst nachträglich zugeordnet werden.

'', Nr. 26/2004.</ref>

An seinem Urlaubsort Meersburg erhielt Schleyer Ende Juni 1977 einen Anruf des damaligen Bundesministers des Innern Werner Maihofer, der ihm mitteilte, dass er ab sofort zu den Personen gehöre, für die Sicherheitsstufe?I gelte. Seine Wohnungen in Stuttgart, Meersburg und Köln wurden von Polizeiposten bewacht und Schleyer selbst durch Polizeibeamte geschützt. Er und sein Begleitschutz fuhren nicht in gepanzerten Fahrzeugen.

Verlauf der Entführung

Überfall

Am Montag, den 5. September 1977 gegen 17:10 Uhr wurde Hanns Martin Schleyer in Köln von seinem Fahrer Heinz Marcisz (41) in einem dunklen Mercedes 450 SEL von der Arbeitgeberzentrale am Oberländer Ufer zu seiner in einem Mehrfamilienhaus in der Raschdorffstraße 10 (Köln-Braunsfeld) gelegenen Dienstwohnung chauffiert. Die Polizisten Reinhold Brändle (Fahrer, 41), Helmut Ulmer (Beifahrer, 24) und Roland Pieler (im Fond, 20) folgten in einem hellen Mercedes 280?E. Die drei Personenschützer waren bewaffnet, Marcisz und Schleyer nicht.

Das sogenannte ''Kommando . Boock und Hofmann sollten die Polizisten ausschalten, Stoll war auf Schleyers Fahrer angesetzt und Wisniewski sollte Schleyer überwältigen.

Als die beiden Wagen gegen 17:28 Uhr die Vincenz-Statz-Straße erreichten, fuhr Wisniewski das Sperrfahrzeug, einen gelben Mercedes 300 D, aus einer Einfahrt rückwärts in die Straße. Marcisz konnte noch rechtzeitig bremsen, doch das Begleitfahrzeug fuhr auf Schleyers Wagen auf und schob diesen auf das Sperrfahrzeug der RAF. Daraufhin eröffnete die RAF das Feuer. Es wurden in etwa eineinhalb Minuten mindestens 119 Schüsse abgegeben. Mehrfach getroffen erlag Marcisz nach kurzer Zeit seinen schweren Verletzungen.

Nach den auf Marcisz abgegebenen Schüssen rannte Stoll plötzlich und entgegen der Absprache in höchster Erregung quer durch die Schussrichtung von Boock und Hofmann, sprang auf die Motorhaube des Begleitfahrzeugs und verfeuerte die ganze übrige Munition seiner polnischen Maschinenpistole PM-63 (Kaliber 9 mm Makarow) durch die Frontscheibe ins Wageninnere. Der Fahrer Reinhold Brändle wurde 60-mal in allen Körperbereichen getroffen und starb kurz darauf. Roland Pieler gelang es, den Fond des Fahrzeugs zu verlassen und mit seiner Dienstpistole dreimal zurückzuschießen ohne zu treffen. Helmut Ulmer schoss aus der geöffneten Beifahrertür achtmal mit seiner Maschinenpistole, traf aber ebenfalls nicht. Pieler und Ulmer wurden je mindestens dreimal tödlich getroffen.

Die Beschuss-Spuren der beiden rechten Türen des Begleitfahrzeuges sowie eine am Tatort aufgefundene Pistole (Hrsg.): ''Die RAF und der linke Terrorismus.'' 2 Bände. Edition Hamburg, Hamburg 2006, ISBN 3-936096-65-1</ref>

Geiselhaft

Nachdem die Entführer mit dem unverletzt gebliebenen Schleyer in einem weißen bestand. Die tägliche Krisenarbeit wurde hauptsächlich in der sogenannten ''Kleinen Lage'' bewältigt, bei der die unmittelbar beteiligten Minister sowie die Behördenchefs kooperierten.<ref name="CFBuck" />

Ein örtlicher Polizist vermutete, dass Schleyer in dem Haus gefangen gehalten werde, da das Appartement zahlreiche Kriterien erfüllte, die für Wohnungen der RAF typisch waren: das Haus lag in Autobahnnähe, hatte eine Tiefgarage und mehrere Mietzahlungen erfolgten bar im Voraus. Er meldete dies dem zuständigen Krisenstab in Köln, der dieser Meldung aber nicht nachging, da sie von einem Beamten in eine falsche Ablage gelegt wurde.

Hanns-Eberhard Schleyer, Rechtsanwalt und ältester Sohn des Entführten, beantragte am 15. Oktober 1977 beim Bundesverfassungsgericht eine einstweilige Anordnung gegen die Bundesregierung und die betroffenen Landesregierungen, auf die Forderungen der Entführer seines Vaters einzugehen. Am gleichen Tag fand eine mündliche Verhandlung statt. In der Nacht lehnte der Erste Senat den Antrag ab, veröffentlichte die Entscheidung aber erst am nächsten Morgen.

Die Bundesregierung unter Helmut Schmidt entschied sich in mehreren Krisensitzungen, anders als im Fall Peter Lorenz, nicht auf die Forderungen der Entführer einzugehen.<ref name="2i2015-4"> Teil 4/6, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe, die von der Erstürmung des Flugzeugs Kenntnis bekommen hatten, in ihren Zellen durch Suizid.

Ermordung

Als die Entführer vom Tod der inhaftierten RAF-Mitglieder erfuhren, wurde Schleyer noch am selben Tag mit drei Schüssen in den Hinterkopf umgebracht. Seine Leiche wurde am 19. Oktober 1977 im Kofferraum eines in der ''Rue Charles Peguy'' in ,'' 7. September 2007.</ref> Welche Person Schleyer erschoss, ist bis heute nicht geklärt.

Das Bekennerschreiben der RAF vom 19. Oktober 1977, das Silke Maier-Witt an die ''Libération'' übermittelte, lautete:

Wir haben nach 43 Tagen Hanns-Martin Schleyers klägliche und korrupte Existenz beendet. Herr Schmidt, der in seinem Machtkalkül von Anfang an mit Schleyers Tod spekulierte, kann ihn in der Rue Charles Peguy in Mülhausen in einem grünen Audi 100 mit Bad Homburger Kennzeichen abholen. Für unseren Schmerz und unsere Wut über die Massaker in Mogadischu und Stammheim ist sein Tod bedeutungslos.

Urteile

Wegen der Beteiligung an der Schleyer-Entführung wurden Stefan Wisniewski, Adelheid Schulz, Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar, Peter-Jürgen Boock, Rolf Clemens Wagner und Sieglinde Hofmann zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Silke Maier-Witt, Monika Helbing und Sigrid Sternebeck (letztere nur wegen Beihilfe) wurden unter Anwendung der Kronzeugenregelung zu Gesamtfreiheitsstrafen zwischen sieben und zehn Jahren verurteilt. Ebenfalls der Beteiligung verdächtigt wurden Willy-Peter Stoll und Elisabeth von Dyck, die beide bei Festnahmeversuchen von der Polizei erschossen wurden. Im Falle Stoll gilt eine direkte Beteiligung an der Entführung Schleyers und der Erschießung seiner Begleiter als gesichert. Sieben weitere der ehemals 20 Verdächtigen wurden wegen anderer Taten rechtskräftig verurteilt. Friederike Krabbe ist bis heute verschwunden.

Folgen

Die politische Wirkung betreffend, war die Schleyer-Entführung für die RAF kein Erfolg. Zwar erregten die Bilder Schleyers aus der Gefangenschaft in der Bevölkerung Mitleid, es resultierte daraus aber kein öffentlicher Druck auf die Bundesregierung, auf die Forderungen der Entführer einzugehen. Auch blieben, anders als von der RAF erwartet, derart repressive Maßnahmen des Staates aus, welche zu allgemeiner Kritik an der Bundesregierung geführt hätten. Die Meinungsbilder zeigten, dass sich eine Mehrheit in der Bevölkerung für härtere Maßnahmen gegen den Terrorismus aussprach, während das Nachgeben gegenüber den Lorenz-Entführern in der Berichterstattung zuvor negativ bewertet worden war.

Literatur

  • ''Dokumentation der Bundesregierung zur Entführung von Hanns Martin Schleyer.'' 2. Auflage. Goldmann, München 1977, ISBN 3-442-11154-4 (textidentisch mit der vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung herausgegebenen ''Dokumentation zu den Ereignissen und Entscheidungen im Zusammenhang mit der Entführung von Hanns Martin Schleyer und der der Lufthansa-Maschine ?Landshut?'').
  • .'' Band 22, 1977, S.?1173?1181 (PDF).
  • Carsten Polzin: ''Deutscher Herbst im Bundesverfassungsgericht. Zur verfassungsrechtlichen und verfassungspolitischen Dimension terroristischer Entführungsfälle.'' IfS, Neubiberg 2001, ISBN 3-932031-26-1.
  • .'' Neuauflage. Hoffmann & Campe, Hamburg 2008, ISBN 978-3-455-50029-5, 5. Kapitel: ''44 Tage im Herbst.'' S. 645 ff.
  • Klaus Pflieger: ''Die Rote Armee Fraktion ? RAF ? 14.5.1970 bis 20.4.1998.'' Nomos, Baden-Baden 2011, ISBN 978-3-8329-5582-3, Kapitel VI: ''Die Aktion ?Spindy?.''
  • Anne Ameri-Siemens: ''Ein Tag im Herbst. Die RAF, der Staat und der Fall Schleyer.'' Rowohlt, Berlin 2017, ISBN 978-3-87134-834-1.
  • Butz Peters: ''1977 ? RAF gegen Bundesrepublik.'' Droemer Knaur, München 2017, ISBN 978-3-426-27678-5.

Einzelnachweise